Teamwork ist in aller Munde, und 'excellente Teams' sind Gegenstand von
Wissenschafts-Studien und Mangagement-Referaten. Und selbstverstaendlich wird
auch finetech.net von einem excellenten Team gemacht. Hier die Mitglieder:
Professor Johann Beckmann, Technikphilosoph, Technikhistoriker, Wissenschaftler.
Verfasser der ersten deutschen Warenkunde, Landwirtschaft- und Technikgeschichte,
sowie einer Vielzahl von weiteren Buechern und Aufsaetzen.
Ehemaliger Lehrstuhlinhaber in Goettingen. Traegt den Titel
'Hofrath' (und laesst sich auch gerne so anreden). 1739 geboren, ist er
vermeintlich schon 1811 gestorben, aber das stimmt nicht. Schon wegen seines
Fachwissens und seiner Lebenserfahrung steht Hofrath Beckmann über den Dingen.
Wirklich aergern koennen ihn nur die Tatsache, dass er nie vom Philosophen
Christian Wolff empfangen wurde (der starb allerdings auch schon 1750),
und so manches von Professor G.
Professor G., Jahrgang 1947, legt Wert auf Anonymität. Der Bayer aus Muenchen
ist mittelgross und ebenso breit wie hoch - ein Technikhistoriker mit den
Spezialgebieten Solarenergie und Verkehr. Seine heimliche Leidenschaft gilt
dem Sumo-Ringen, weshalb er einmal pro Jahr seinen Urlaub in Japan verbringt
(und dort mässig erfolgreich als Amateur auftritt). Professor G. hasst
Soziologen und McKinsey-Berater, mit denen er sich gern auf einen verbalen
Schlagabtausch einlaesst.
Pfarrer Philipp M. Hahn, evangelisch, ist der Techniker und Tueftler im Team.
Seine besondere Liebe gilt komplizierten mechanischen Geraeten, vor allem Uhren
und Rechenmaschinen.
Ein freundlicher Mann (mit manchmal etwas skurilen Ideen), der bei
Auseinandersetzungen im Team stets maessigend wirkt. 1739 geboren
(wie unser Hofrath - ein guter Techniker-Jahrgang!), ist er zwar offiziell
bereits 1790 verschieden, lebt aber ungeruehrt von der Aktenlage weiter.
Dr. Götz Warnke, Schreiber dieser Zeilen, ist das Hausfaktotum dieser
wissenschaftlichen Wohngemeinschaft. Spezialgebiete: vergessene Erfindungen des
18. Jahrhunderts und unechte perpetua mobilia. Da er sich als einziger der vier für das
Internet interessiert, darf er hier frei schalten und schreiben. Ansonsten
hat er bei den Fachdiskussionen 'schlechte Karten': meist antwortet
Pfarrer Hahn zuerst mit "Mein lieber, junger Freund ...", worauf Hofrath Beckmann
und Professor G. blitzschnell einfallen "... werden Sie erst mal Professor..."
(sonst sind sie sich nie so einig!)
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News
Technikfeinde
Gestern hat Pfarrer Hahn uns endlich den neuen Golfball (s.u.) vorgestellt. Die
grösste Schwierigkeit war nicht das Aufladen der Mignon-Zellen, sondern das
ganze Ding so zu bauen, dass sich im Fluge keine Unwucht zeigte. Hofrath haben
dann sogleich das neue 'Energie-Geschoss' im Garten ausprobiert und promt zwei der drei
wertvollen Prototypen in unserem Gartenteich und im qualmenden Aussenkamin der
Nachbarn versenkt, welche darauf hin fragten, ob er für seinen Golfschäger einen
Waffenschein habe. ;-)
Beim anschliessenden Umtrunk in der Küche kam unser Team ins Fachsimpeln. 'Die
Technik könnte man doch auch in Schuhe einbauen - sozusagen: Schritt für Schritt
zu mehr Energie', meinte Hofrath Beckmann. 'Gibt's schon', grummelte Professor G.
'Aber entsprechende Tennis- und Fussbälle wären sicherlich ein Markt.' Pfarrer
Hahn lächelte: 'Oder etwas ganz anderes: die Piezo-Elektrik im Matratzen einbauen!
schlafen muss schliesslich jeder, und das Motto hiesse: Energie gewinnen im Schlaf.'
Jetzt richteten sich alle Augen auf mich als letztem in der Runde. Oh je, eine
Idee musste her, und zwar schnell. Die Gedanken rasten nur so durch den Kopf
und plötzlich fiel mir ein Artikel ein, den ich vor ein paar Tagen gelesen hatte.
'Man könnte die Technik auch in gewisse lebensgrosse Gummipuppen einbauen, wie
sie von gewissen Herstellern produziert werden. Motto: Heidi bringt verbrauchte
Energie sofort zurück...'
Irgendwie war die Erfindung verkehrt. Hofrath betrachtete seine manikürten
Fingernägel so intensiv, als arbeite er an einer Abhandlung über
Daumennagel-Druckenergie, Professor G. starrte düster in sein Bierglas, und
Pfarrer Hahn blickte mit gefalteten Händen gen Himmel. Keine Begeisterung, keine
Neugier. Es war mal wieder typisch deutsch: sobald jemand eine neue Idee hat,
gibt es nichts als Ablehnung und Bedenken. Wie soll bei dieser Einstellung unser
Land wieder auf die Beine kommen. Im Grunde sind sie doch alle Technikfeinde.
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Der Bambus-Motor
29.01.2003
Pfarrer Hahn war über ein verlängertes Wochenende zu Angehörigen ins Schwabenländle
gefahren, und so sassen wir am Samstag um 11 Uhr nur zu dritt am gemütlichen
Küchentisch und frühstückten. Nachdem der dritte Kaffee die Gedanken und Zungen
gelöst hatte, machten Hofrath die Bemerkung, dass der Schreibtisch in seinem
Zimmer im Obergeschoss neuerdings
schräg stehe. Professor G. meinte sogleich, dass dies nur an unseren Putzfrauen
liegen könne, die alles verstellten und auch sonst nichts als Unfug produzierten:
erst neulich hätten sie offensichtlich von seinem Sherry getrunken, und als er
den Pegelstand seiner Flasche durch Bleistiftstriche markiert habe, hätten die
Damen bei der nächsten Putzaktion in einem unbeobachteten Moment gleich noch
vier Striche hinzugefügt, um ihn
zu verwirren. "Ja, ja, die Insubordination des Personals", bemerkte ich mit einem
leicht süffisanten Unterton, wurde aber von den Professores mit düsteren Blicken
zum Schweigen gebracht.
Hofrath Beckmann erklärte sodann, dass es sich bei der Schräge um eine
Verschwenkung um eine horizontale Achse des Tisches handele, nicht um die um die
vertikale Achse. Schlicht: der Tisch sei links höher denn rechts. Wir
verabredeten, nach dem Frühstück den Fall näher zu untersuchen, und als wir uns
schliesslich dem Zimmer im 1. Stock näherten, hörten wir ein lautes Poltern.
Im Zimmer sahen wir die "Bescherung": der Schreibtisch stand schräg wie eine
Ski-Sprungschanze, welche bereits von
einer Schreibtischlampe, einer Schreibmaschine sowie mehreren Aktenordnern und
Schreibutensilien benutzt worden war. Nach erstem Schrecken und näherem
Betrachten stellten wir fest, dass ein Gewächs die Decke durchbrochen und den
Schreibtisch in diese Lage gebracht hatte. Das ganze Ausmass wurde erst
ersichtlich, als wir ein Stockwerk tiefer das Zimmer von Pfarrer Hahn betraten:
Aus einem grossen Blumenkübel wachsend, hatte eine riesige Bambuspflanze die
Zimmer-Decke; zwei weitere Bambuse standen unmittelbar davor. 'Aha, ein ...',
meinte Beckmann und nannte einen lateinischen Namen, den ich inzwischen
vergessen habe. Und da er nicht nur Technikhistoriker, sondern als einstiger
Linne-Schüler zugleich ein grosse Botaniker ist, fuhren Hofrath fort:
'Die Pflanze wächst bis zu 60 Zentimeter am Tag; sie wurde früher in
Südostasien auch zum Pfählen von Menschen benutzt.' 'Wir werden Sie abschneiden
müssen', warf Professor G. ungerührt ein. Ich erbot mich sofort, die schärfste Säge
aus der Werkstatt zu besorgen, und konnte so einem enzyklopädischen Vortrag von
Professor Beckmann über die Geschichte des Pfählens im Allgemeinen und die des
rein pflanzlichen Pfählens im Besonderen entgehen.
Als ich zurückkehrte, hörte ich gerade noch die Bemerkung Professor G's in Anspielung
darauf, dass Beckmann den Durchbruch durch den Boden seines Zimmers viel zu
spät bemerkt hatte: 'Hofräthe sind sicher selten Opfer von Pfählungen geworden,
und wenn doch, hat es sie zweifellos im Schlaf erwischt!' Die Stimmung war so
sanft wie die Zähne meiner Säge.
Die Gründe für unsere 'hausinterne Beinahe-Pfählung' wurden erst deutlich, als Hahn am
Montagmorgen zurück gekehrt war und sein Vorhaben erklärte:
"Ich hab' den Bambus schlicht vergessen. Eigentlich sollte
das Ganze ein Biomotor werden, der - je nach Wunsch - entweder mechanische oder
elektrische Energie erzeugt. Die Bambus-Pflanzen werden in einen durchsichtigen
Treibhaus-Zylinder gepflanzt und drücken einen Kolben nach oben, der entweder
über Seile eine Welle antreibt oder per Flaschenzug schwere Gewichte als
Energiespeicher nach oben zieht. Letzteres müsst Ihr Euch vorstellen wie die
Gewichte in den schönen Standuhren; mit grossen Gewichten hat man früher sogar
Mühlen angetrieben. Für die Stromerzeugung lässt man die Seilzüge auf
piezoelektrische Materialien wirken.
Das Beste aber kommt noch: der Bambus-Stamm lässt sich hervorragend als Bau-
und Brennmaterial verwenden, und die Bambus-Spitzen lassen sich zu einem sehr
schmackhaften Ragout verarbeiten."
'Oh, wäre solches dem lieben Kollegen G. bekannt gewesen, hätten die Bambus-Spitzen
nie die geringste Chance gehabt, die Decke zu durchbrechen', lästerte Professor
Beckmann. Ein lautes Knarren und Poltern schob allen weiteren Diskussionen
einen Riegel vor - ein Bambus wollte sich erneut im Obergeschoss 'umschauen'.
'Auf zur Ernte', rief Hahn und wir stürzten hinter ihm her.
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Der Golfball
11.11.2002
Heute morgen hat es den Pfarrer erwischt. Er kam aus der Kueche mit einer
Flasche Mineralwasser in der
Hand, laechelte mir freundlich zu und bog hinten in den langen Flur zur Werkstatt ein.
Eigentlich haette ihn die dort stehende Schaumstoffmatte warnen sollen. Doch in
der fruehen Morgenstunde war der Golfball schneller als die grauen Hirnzellen
unseres Pfarrers: die Flasche loeste sich in eine Fontaene aus Gischt und
Splittern auf, Hahn stiess einen lauten Schrei aus. Und am Ende des Ganges liess
Beckmann den Golfschlaeger sinken und meinte nach zwei Anstands-Sekunden:
"Werter Freund, ich bedauere dieses kleine Missgeschick zutiefst."
'Kleines Missgeschickt' ist gut, aber was will man von jemandem erwarten, der
beim Abschlag nur jeden zweiten Golfball trifft, mit diesen allerdings dann
alle moeglichen Dinge - Golfloecher einmal ausgenommen! ;-)
Jedenfalls war es wohl die Formulierung 'kleines Missgeschick', die Hahn
loszetern liess: ueber Prestige-Sportarten im allgemeinen und die
Unfallgefahren des Haushalts im besonderen, ueber die moderne Sportmanie und die
damit verbundene
Zeitverschwendung etc., etc. Hinten trat Professor G. im Nachthemd aus dem Zimmer
und besah sich die Szene mit verschraenkten Armen. Als der Wortschwall ein wenig
verebbte, meinten Hofrath milde: "Werter Freund, ich betreibe hier keine
Verlustierungen, sondern bin mitten bei der Arbeit, eine neue Idee zu entwickeln:
Der Golfball als Akku-Ladegerät! Die Energie kommt vom Schlag, wird mittels
Piezo-Elektrik umgewandelt und läd die in den Golfball gesteckten Akkus. Jetzt
brauchen wir nur noch einen Prototypen."
Hahn war sofort begeistert, vergass die zersplitterte Flasche und den Schrecken, und
eilte in seine Werkstatt. Kaum war er weg, lächelte der Hofrath fein und sagte zu mir:
"Ja, ja, man muss nur Einfälle haben." Angesichts solcher taktischen Finesse
und intellektueller Wendigkeit holte ich tief Luft: "Nun verstehe ich,
warum Sie Hofrath geworden sind?" Beckmanns Laecheln wurde noch ein wenig intensiver,
und er wandte sich erneut seinem Golfequipment zu.
Da dröhnte es aus dem Hintergrund wie die Stimme Gottes - so dieser denn Bayer ist:
"Jo mei, zum guten Golfspiel nützt das alles nichts. Und wo koan Ball-Treffer, da
auch koan Energie!" Ich habe Hofrath selten so saeuerlich dreinblicken sehen.
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