Editorial
Jahresrückblick 2007
Kein Energiesparwillen?
Streit um des Kaisers Bart
Das Gute im Guten
Wasserkraft wird abgewürgt
Erwarteter 'Stromschlag'
Herbstzeit - Gartenzeit
Zweifelhafte Zeckenzangen
Düstere Aussichten 02 oder: Die Europäische Niederlage
Düstere Aussichten
Holz vor der Hütte?
Gross, grösser, .... wohin?
Wahnsinn Weihnachtsmann
Wimpern mit Stäbchen
Alles Elektronik?
Jahresrückblick 2007
Hamburg, 03.01.2008:
Zu den Gewinnern des Jahres 2007 gehören die regenerativen Energien und die
Energiespartechnik. Hier gabe es eine Vielzahl an interessanten Entwicklungen - finetech.net berichtete -
und nichts deutet darauf hin, dass sich der Trend im Jahr 2008 ändern oder verlangsamen
könnte.
Zu den Verlierern des Jahres gehören die Biokraftstoffe. Was jeder, der es wissen
wollte, längst wissen konnte, wurde jetzt endlich diskutiert: dass ein massenhafter
Anbau von Kraftstoff-Pflanzen zu Lasten der Nahrungsmittel-Produktion und zu Lasten
der Umwelt geht (Wassermangel, Waldabholzung etc.). Biokraftstoffe werden auch in
Zukunft eine wichtige Rolle spielen, aber sie sind nicht der Königsweg zur Lösung
des Kraftstoff-Problems.
Im Ungefähren blieb die Klimafrage. Eigentlich konnte man glauben, nach dem Bericht des
Weltklimarates
sei die Frage eindeutig zu Gunsten eines menschengemachten Klimawandels entschieden.
Doch nun ist das Jahr
2007 weltweit nicht das wärmste Jahr
geworden, wie eigentlich zu erwarten war, und
neuere Forschungen zeigen,
dass das Schmelzen der Eiskappe am Nordpol auch natürliche Ursachen haben kann.
Letztlich aber ist diese Frage für das Handeln der Menschheit völlig unwichtig,
und zwar aus zwei Gründen:
1. Schon jetzt drängen sich immer mehr Menschen in den fruchtbaren Niederungen
nahe der Küste - mit steigender Tendenz. Wenn der Wasserspiegel steigt, wenn die
Stürme zunehmen - ganz gleich ob aus Schuld des Menschen oder der 'guten Mutter Natur'-
wird es zu Katastrophen kommen. Wir müssen also alles tun, um klimatische Veränderungen
nach Möglichkeit anzubremsen, selbst wenn das menschliche Verhalten nur einen geringen
Einfluss auf das Klima hat.
2. Die konventionellen Energie- und Rohstoff-Ressourcen unseres Planeten sind
endlich, auch wenn sie erheblich grösser seien sollten, als wir heute annehmen.
Wir als Menschheit werden also so oder so auf Energiesparen, erneuerbare Energien und
die intelligente, sparsame Verwendung von Rohstoffen setzten müssen.
Götz Warnke
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Kein Energiesparwillen?
Hamburg, den 10.09.2007
Haben sich die Deutschen, einstmals 'Energiespar-Weltmeister', vom Grundsatz des
sinnvollen Umgangs mit Energie verabschiedet? Fast könnte man diesen Eindruck
gewinnen, wenn man die
Pressemitteilung
des 'Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V' liest.
Danach ist die bundesdeutsche Nachfrage nach Energiespar-Heizungen ist im ersten
Halbjahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel zurück gegangen.
Was sich aber im ersten Moment wie eine rational nicht nachvollziehbare Entwicklung
anhört, kann durchaus gute Gründe haben - zumindest bei den Solarthermie-Anlagen:
Diese Anlagen werden immer noch zu erstaunlich hohen Preisen angeboten. So kostet
manche, vergleichsweise technisch simple Solarthermie-Anlage in der Anschaffung
gleich viel wie ein erheblich komplizierteres neues Auto (z.B. Dacia Logan). Sicher,
wer Solarthermie will, wird sich statt dessen kein Auto kaufen. Aber die Buerger
koennen durchaus rechnen und vergleichen. Das tun sie besonders dann, wenn Anbieter
ihnen nicht vorrechnen wollen oder koennen, in wie vielen Jahren sich die
Anlagen (bei gleich bleibenden oder leicht steigenden Energiepreisen) amortisieren.
Verstaendlich, denn die entsprechenden Zeiten liegen doch sehr in der Naehe der
Lebensdauer der Anlagen.
Da kommt mancher Kunde nicht um den Gedanken umhin, die entsprechenden Anlagenhersteller hätten
beschlossen, sich unter dem Deckmantel des Umweltschutzes eine 'goldene Nase' zu
verdienen. Für den Umweltschutz ist das sehr schade.
Götz Warnke
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Streit um des Kaisers Bart
Hamburg, 12.06.2007:
Wird der Klimawandel hauptsächlich von den Menschen gemacht oder ist doch in
erster Linie die gesteigerte Sonnenaktivität daran Schuld? Die Frage, die schon
eindeutig im Sinne eines menschengemachten Klimawandels beantwortet schien, ist
erneut in eine äusserst kontroverse Diskussion geraten. Anlass waren die Ausstrahlung
des britischen Films
'Der grosse Klimaschwindel'
im deutschen Fernsehen und mehrere Artikel in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift
'Cicero';
diese Medienberichte belegen, dass eine erhebliche Minderheit der Klimawissenschaftler
weiterhin von einem sonnengemachten Klimawandel ausgeht.
Beide Parteien präsentieren eine Vielzahl von
Argumenten, Analysen und Studien für ihre jeweiligen Thesen; für die Wissenschaftler
beider Seiten geht es natürlich um Reputation und künftige Foschungsgelder. Und
unter dieser rationalen Ebene prallen hier unbewusst auch ideologische Welt- und Menschenbilder
aufeinander: für die 'Der-Mensch-ist-Schuld'-Vertreter würde ein sonnengemachter
Klimawandel die Idee der 'guten Mutter Natur' in Frage stellen - der Mensch müsste
zur Bewahrung seiner Umwelt aktiv gegen die Natur handeln (z.B. durch grosse
Sonnenschirmeim Weltall etc.). Für die 'Die-Sonne-ist-Schuld'-Vertreter würde ein
menschengemachter Klimawandel die Idee des technisch-industriellen Fortschritts
in Frage stellen - der Mensch müsste in vielen Bereichen technisch ein Stück zurück.
Einerseits der Mensch als böser Naturzerstörer, als Makroparasit, andererseits der
Mensch als reines, unschuldiges Wesen im rousseauschen Sinne - zwischen diesen ideologischen
Strömungen kann es kaum einen Kompromiss geben.
Doch so wichtig und spannend dieser Steit für die beteiligten Klimawissenschaftler
seien mag, für die technische Herausforderung der Entwicklung einer Energie und
Ressourcen sparenden Technik ist er völlig uninteressant, und zwar aus folgenden Gründen:
Erstens bestreitet niemand, dass wir einen Klimawandel mit steigenden Temperaturen
erleben und dass es bestimmte Temperaturschwellen ('tipping points') gibt, deren
Überschreitung erhebliche Auswirkungen hat - z.B. wenn bei einem Temperaturanstieg
von rund 2,8 Grad Celsius im arktischen Raum das grönländische Festlandeis schmilzt
und den Meeresspiegel weltweit um fatale sieben Meter anhebt. Selbst bei einem primär
sonnengemachten Klimawandel müsste die Menschheit alles in ihrer Macht stehende
tun, damit das Quecksilber im o.a. Fall spätestens bei 2,7 Grad Celsius stehen
bleibt. Und das heisst auch: weniger Verbrennungsprozesse, weniger Emissionen,
mehr regenerative Energien.
Zweitens, selbst wenn der Klimawandel morgen von einem kühlenden göttlichen Lüftchen
verweht würde, so stände die Menschheit weiterhin vor riesigen Problemen: ein
Ende des weltweiten Bevölkerungswachstums ist nicht abzusehen, aber schon heute
hungern Hunderte von Millionen, fehlt es ebenso vielen Menschen an sauberem Wasser und Energie.
Schon heute werden steigende Rohstoffpreise zum Wirtschaftsproblem, wenn Schwellenländer
wie China und Indien auf die Weltmärkte drängen - und all' dies ist erst der Anfang. Niemand
glaubt heute ernsthaft, diese Probleme ohne regenerative Energien und eine ressourcensparende
Technik bewältigen zu können - ganz gleich, welche der Thesen in der Diskussion
um den Klimawandel sich letztlich als zutreffend erweist.
Daher sollte man die Wissenschaftler ihrem 'Streit um des Kaisers Bart' überlassen
und sich auf die heute schon möglichen technischen Lösungen konzentrieren: mehr
Photovoltaik und Windräder zur Energieerzeugung, mehr Wasserstoff-Brennstoffzellen-Systeme,
Schwungräder etc. zur Energiespeicherung und den Einsatz von technischen Erkenntnissen aus der
Bionik etc. zur Konstruktion materialsparender Artefacte. Diese technischen
Entwicklungen werden allen Menschen Vorteile bringen - ganz gleich, wie der
wissenschaftliche Streit ausgeht.
Götz Warnke
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Das Gute im Guten
Hamburg, 23.11.2004:
'Jedes Ding hat zwei Seiten: eine gute und eine schlechte' sagen die einen.
Andere Zeitgenossen sprechen von 'Das Schlechte im Guten'. Und in der Tat:
Vorteile in einem Bereich - z.B. dem Energiesparen - bezahlen wir häufig mit Nachteilen
in anderen Bereichen (Kosten, Reparaturfreundlichkeit etc.).
- Beispiel Auto: leichte Aluminium-Karosserien helfen Benzin zu sparen; sie
sind aber meist auch teurer in der Anschaffung und bei Reparaturen.
- Beispiel Heizung: Gasheizungen sind bequem, sauber und man spart den Platz
für grosse Öltanks. Aber Gasheizungen machen auch abhängig vom regionalen
Gasversorger und seiner Preispolitik. Bei Ölheizungen kann man leichter den
Anbieter wechseln, evtl. eines Tages auch leichter auf Bio-Öl umsteigen.
- Beispiel Wasserarmaturen: moderne Einhebel-Armaturen liefern bei gleicher
Stellung immer die gleiche, gewünschte Temperatur; das schnelle Öffnen und
Schliessen spart Wasser. Nur leider stellt der Mensch - aus seinem inneren
Symmetrie-Bedürfnis heraus - den Bedienhebel in einer Linie über den Wasserhahn ('Mittelstellung').
Dadurch wird stets Energie für lauwarmes Mischwasser verbraucht, obgleich kaltes
Wasser in vielen Fällen ausreichen würde.
Gerade aber für den letzten Fall gibt es eine Lösung - und sie beweist, dass die
Regel vom Schlechten im Guten nicht immer gilt: der schwedische Hersteller
Mora Armatur AB hat eine Einhebel-Armatur entwickelt,
die in der Mittelstellung nur kaltes Wasser abgibt. Erst wenn man den Hebel nach
links dreht, wird das Wasser wärmer. Dieses Energie-Spar-System ist als 'ESS'-Version
für praktisch alle Armaturen des Herstellers erhältlich - auch in Deutschland. Bei einem Test im
Stockholmer Flughafen Arlanda konnten während eines ganzen Jahres 55 Prozent des
Warmwasser-Verbrauchs eingespart werden.
Man sieht: auch bei altbekannten Regeln haben Ausnahmen; menschliche Intelligenz
kann praktikable Lösungen finden. Und deshalb gibt es für einen generellen
Fortschritts- oder Technik-Pessimismus keinen Grund.
Götz Warnke
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Wasserkraft wird abgewürgt
Die Wasserkraft, die älteste erneuerbare Energiequelle, fristet nach dem Willen
der rotgrünen Bundesregierung künftig ein Paria-Dasein.
Berlin, 22.12.2003:
Eigentlich soll ja das Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) konsequent den Ausbau der
regenerativen Energien aus Sonne, Wind, Wasser, Biogas etc. fördern. Doch nicht
auf alle dieser Energieformen blicken unsere Herrschenden mit gleichem Wohlgefallen
herab. Und so hat die Bundesregierung am vergangenen Mittwoch die
Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ('Entwurf eines Gesetzes zur
Neuregelung des Rechts der Erneuerbaren-Energien im Strombereich') verabschiedet,
in deren § 6 (1) steht: 'Für Strom aus Wasserkraftanlagen mit einer Leistung bis
einschliesslich 5 Megawatt beträgt die Vergütung [...hier folgen einige Zahlen.G.W.]
Satz 1 findet auf Laufwasserkraftanlagen mit einer Leistung bis zu 500 Kilowatt,
die nach dem 31. Dezember 2005 genehmigt worden sind, nur Anwendung, wenn sie im
räumlichen Zusammenhang mit einer bereits bestehenden Staustufe oder Wehranlage
errichtet worden sind und dadurch nachweislich ein guter ökologischer Zustand
erreicht oder der ökologische Zustand gegenüber dem vorherigen Zustand wesentlich
verbessert worden ist.'
Und in dem am 17.12. vom Bundesumweltministerium zur Novellierung veröffentlichten
'Überblick ...' heisst es verdeutlichend auf S. 6: 'Kleine Anlagen bis 500 kW,
die nicht im Zusammenhang mit Staustufen oder Wehren betrieben werden, sollen
allerdings nur noch in das EEG fallen, wenn die Anlagen bis zum 31.12.2005
genehmigt worden sind. Damit sollen zusätzliche Eingriffe in naturbelassene
kleine Flüsse und Bäche vermieden werden.'
Man könnte diese Behinderung künftiger Kleinwasserkraftwerke leicht als
Privat-Problem der entsprechenden Wasserrechte-Besitzer abtun, wenn nicht hinter
der Regelungslust des Ministeriums drei grundsätzliche Denkfehler stünden:
- Der erste Fehler ist ein technischer: wer die 'Energiewende' will, wer eine
ressourcenschonende und emissionsarme Wirtschaft anstrebt, kann nicht auch noch
die regenerativen Energiequellen willkürlich in 'gut und böse' unterteilen.
Gerade die Wasserkraft ist seltener starken Schwankungen ausgesetzt als die
Solarenergie (Tag/Nacht) oder die Windkraft (Windstille, Orkan); sie liefert ihre
Energie sehr viel kontinuierlicher. Zudem: wer flächendeckend neue Energie- und
Speicher-Technologien wie die Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie schnell
und umweltfreundlich durchsetzen will, muss auch eine dezentrale, flächendeckende
Energieerzeugung fördern. Und hier kommt man um mehr Wasserkraft nicht herum.
- Der zweite Denkfehler ist ein historischer: unsere Bäche sind längst nicht
mehr 'naturbelassen'. Vieles, was wir heute als Idylle empfinden, sind die
Wasserbau-Massnahmen von 'gestern'. So warem um 1900 in Deutschland rund 100.000
Wassermühlen im Einsatz - die zehnfache Zahl von heute. Für die vielen Wasser-,
Gezeiten- und Schiffsmühlen wurden Veränderungen der Flüsse und Bäche vorgenommen,
die heute als solche nicht mehr sichtbar sind.
Dies alles ist in den 1970er und 1980er Jahren mit grossem Aufwand
wissenschaftlich erforscht worden. Nur scheint man im Bundesumweltministerium diese
wissenschaftliche Literatur einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen.
- Der dritte Fehler ist ein ideologischer: ab 31.12.2005 werden Wasserkraftanlagen
ausserhalb bereits bestehender Wasserbau-Massnahmen nicht einmal mehr gefördert,
selbst wenn Sie eine Verbesserung (!) des ökologischen Gewässerzustandes bewirken.
Was sich zuerst absurd anhört, dürfte einem verbreiteten Vorurteil in der
Öko-Bewegung entspringen: viele Naturschützer wollen nicht glauben, dass der
Mensch durch seinen Eingriff irgend etwas in der Natur verbessern kann. Für sie
ist der Mensch eine Art Schädling, dessen Wirken die weise Natur nur beeinträchtigen kann.
Dass zur Zeit des Mühlen-Booms um 1900 die Flüsse von viel mehr Fischen und heute längst
verschwundenen Arten wimmelten, wird peinlichst verschwiegen. Der künstliche
Mühl-Weiher als Biotop - für manche Naturfreunde immer noch undenkbar.
Deutlich wird daher bei diesem Gesetzentwurf im Hinblick auf die Wasserkraft nur soviel:
hier hat sich wieder einmal das typisch deutsche 'gut gemeint' gegenüber dem
fach- und sachbezogenen 'gut gemacht' durchgesetzt.
Götz Warnke
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Erwarteter 'Stromschlag'
Dass die grossen Energie-Versorgungs-Unternehmen (EVUs) im kommenden Jahr die
Verbraucher-Preise erhöhen wollen, hat nun den heftigen Protest von vier Verbänden
hervorgerufen. Dabei war der Griff in die Taschen der Verbraucher zu erwarten.
Hamburg, 12.12.2003:
Strom kommt aus der Steckdose. Und das zu immer gleichen Preisen. Dann sind alle
Bürger friedlich, nutzen ihre elektrischen Radiowecker, Eierkocher, Schuhputzmaschinen
und denken nicht weiter nach. Keine Frage nach der eigenen Abängigkeit in einem
so wichtigen Bereich wie der Energieversorgung. Keine Frage nach den Verbindungen
von Politik und Energie-Wirtschaft. Keine Frage, warum der grösste Teil der staatlichen
Forschungsförderung im Energiebereich Techniken bevorzugt, die den Verbraucher
weiterhin an der langen Leine der fremder Stromerzeuger halten.
Droht aber eine Strompreis-Erhöhung, erwacht schlagartig auch der Protest. Und so fanden sich
jetzt der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv),
der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE),
der Bund der Energieverbraucher sowie der
Bundesverband Neuer Energieanbieter (BNE))
zusammen, um den nicht überraschenden Gelüsten der EVUs
entgegen zu treten.
Letztere möchten nämlich mal wieder die Abhängigkeit der Verbraucher finanziell
für sich nutzen. Was hingegen die protestierenden Verbände eint, ist ihr Kampf
gegen eine Preiserhöhung mit der 'halbgaren'
Begründung der EVUs, hohe Einspeisungsvergütungen für die Windenergie und die
Kosten des Vorhaltens von Kraftwerkskapazitäten für Schwankungen bei der
Windenergie machten diese Erhöhung notwendig. Das lässt sich etwa dadurch
widerlegen, dass es einen Ausbau der Kraftwerks-Kapazitäten parallel zum Wachsen
der Windkraftanlagen nicht gab. So weit, so klar.
Wie aber sähe die Protest-Allianz aus, wenn die Strompreis-Erhöhung z.B. auf
einer Erhöhung der staatlich festgelegten Windkraft-Subventionen
(Einspeisevergütung) beruhte, weil etwa die Kosten für die Offshore-Windparks
'explodiert' wären? Ob der BEE und der BNE dann noch genau so mit von der Protest-Partie
wären, darf füglich bezweifelt werden. Denn die Windkraft-Branche ist immer
mehr selbst zu einer Grossindustrie geworden, die ein lebhaftes wirtschaftliches
Interesse daran hat, dass sich die Verbraucher nicht von den Versorgungsnetzen
unabhängig machen.
'Umweltfreundlich' heisst eben noch lange nicht 'verbraucherfreundlich', und diese
Tatsache wird von vielen allzu gern vergessen oder verschleiert.
Götz Warnke
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Herbstzeit - Gartenzeit
Eigentlich ist auch der Herbst eine schöne Jahreszeit, und selbst die
Gartenarbeit könnte jetzt Spass machen, wenn nicht ...
Hamburg, den 14.11.2003
Wenn Petrus nicht schon die ersten Stuerme ueber's Land schickt, heult in
unseren heimischen Gartenlandschaften derzeit ein anderes Orchester: Laubsauger
duettieren sich mit elektrischen Heckenscheren oder spielen mit Rasenmaehern,
Motorsaegen und Motorhaeckslern
ein Quartett. Je kleiner die Gartenparzellen, desto heftiger wird die Musik, und
mancher Kleinstgarten-Besitzer hat ein eigenes Orchester von elektrischen oder
motorisierten Garten-Geraeten, um das ihn ein alter Ritterguts-Besitzer beneiden
wuerde. Besten Falls belegen die Maschinchen einigen Platz
im Keller oder in der Garage. Schlimmsten Falls muss ein extra Garten-Haeuschen
dafuer gebaut werden, was den Garten noch mehr verkleinert.
Da wäre es doch eigentlich konsequent, den Garten zu betonieren, die Maschinen
abzuschaffen und einige Pflanzkuebel aufzustellen.
Doch ach, der Kreislauf wuerde nur von Neuem beginnen - die erste elektrische
Rosenschere steht bestimmt schon in den 'Startloechern'.
Götz Warnke
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Zweifelhafte Zeckenzangen
Die Zeckenzange wird im Bereich der Technik nicht sonderlich gewertschätzt - zu
bekannt, zu einfach, ohne technischen Esprit. Daher steht sie stets ausserhalb des
'Lichtkegels' der ingenieurwissenschaftlichen Beachtung. Doch im Schatten blühen
oft die kuriosesten Blüten ...
Hamburg, 12.10.2003:
Zecken sind bei Herr und Hund gleichermassen unbeliebt. Und auch der normale
Hausbewohner rennt zum Hausarzt, wenn ihm Ixodes Ricinus, so die lateinische
Fachbezeichnung der Zecke, als ungewolltes 'Haustier' allzu anhänglich geworden
ist. Dieses muss künftig nicht mehr so sein, wenn nach dem Willen eines
Herstellers geht - jedenfalls nicht mehr, wenn man 16,95 Euro (plus 1,15 Euro
für die Batterie) berappt und dafür eine 'Elektronische Zeckenzange' erworben hat.
Technisch gesehen ist dieses Gerät eine Kombination aus Garotte (spanisches Erwürge-Eisen) und
Elektrischem Stuhl: erst wird die im Volksmund als 'Gemeiner Holzbock' bezeichnete
Zecke mit der Pinzette gewaltsam herausgedreht und anschliessend wird ihr,
gleichgültig ob sie überhaupt noch auf dieser Welt weilt, ein tödlicher Stromstoss
verabreicht - 600-800 Volt bei 2mA, falls es jemanden interessiert.
Es scheint fast so, als wolle man dem Gemeinen Hausbock seine vorgebliche Gemeinheit -
die sich ja eigentlich nur auf seine allgemeine Verbreitung bezieht - doppelt für
dreifach heimzahlen.
Nun mag der Kritiker einwänden, dass eine Kombination der beiden Hinrichtungsmethoden
in jedem Falle überflüssig sei, zumal sich auch in der
Vergangenheit unsere gewiss nicht übersparsamen Staatsverwaltungen selbst bei den
übelsten Deliquenten auf je eine dieser Hinrichtungsarten beschränkten.
Doch den Hersteller wirds kaum kümmern; vielleicht hat er bereits ein ganzes
Sortiment im Blick: Zange plus Flammenwerfer (Feuerzeug), Zange plus Vierteiler
usw., usw. Da trifft es sich gut, dass Zeckenzangen in einer mechanischen
Version längst existieren und bei Tierärzten sowie in Apotheken problemlos
erhältlich sind. Einige Exemplare kosten unter einem Euro und andere gibt es
sogar umsonst - ein wenig Werbeaufdruck und einen mildtätigen Pharmareferenten
vorausgesetzt.
Und so vereint jedenfalls eines die Zecke und den Zeckenzangenhersteller (elektrisch): sie werden
beide den Einsatz mechanischer Zeckenzangen auf Dauer nicht überleben.
Götz Warnke
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Düstere Aussichten 02 oder: Die Europäische Niederlage
Hamburg, 24.09.2003:
Gestern legte ein Stromausfall weite Teile Schwedens und Dänemarks lahm.
Ampelanlagen sowie S- und U-Bahnen fielen aus, Fahrstühle blieben stecken,
Beatmungsgeräte, Computer und Elektronik-Kassen versagten ihren Dienst.
Ursache war höchstwahrscheinlich ein Ausfall des schwedischen Atomkraftwerks
Oskarshamm in einem Gewitter.
Damit hat sich, wie von finetech.net vorhergesagt, ein zweiter grosser Blackout
ereignet, dieses Mal in Europa. Dabei sollte hier doch alles viel besser und
sicherer sein als in den hochkapitalistischen, angeblich nur aufs Geld fixierten USA.
Das jedenfalls wollten sich die Europäer angesichts der vielen Konflikte mit den USA
gern selbst einreden. Nun kommt man um die Erkenntnis nicht umhin, dass technische Systeme
eben nicht grundätzlich wertfrei sind, und es eigentlich nur darum gehe, wer sie
besitzt und kontrolliert, wie uns das alte Marxistische Konzept vorgaukeln wollte.
Doch aus dieser Erkenntnis werden, selbst wenn man ihr nicht gleich ausweicht, keine
praktischen Konsequenzen gezogen. Dazu ist das Interessenkartell zu stark. Und
so ist auch der nächste Blackout bereits vorprogrammiert.
Götz Warnke
P.S.; 29.09.2003: Gestern Morgen hat ein Blackout ganz Italien und das
schweizerische Tessin getroffen; über 55 Millionen Menschen waren ohne Strom.
Und während niemand mehr von den Stärken des europäischen Verbundnetzes spricht,
erklären uns jetzt Vertreter der deutschen Elektrizitätswirtschaft, zumindest in
unserem Lande könnte so etwas nicht passieren.
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Düstere Aussichten
Hamburg, 17.08.2003:
Stromausfall in Nordamerika, der Osten der USA und Kanadas liegt im Dunkeln, und
in New York - der Stadt, die angeblich nie schläft - kann man an diesem Wochenende
nichts besseres tun, als ins sichere Bett zu gehen oder gleich darin zu bleiben.
Während die direkten Ursachen auch 48 Stunden nach dem Stromkollaps der Geschichte
noch nicht feststehen, wird über die indirekten gern und intensiv gesprochen -
besonders östlich des Atlantik: das schlechte US-Verbundnetz, die fehlenden
Über-/Reserve-Kapazitäten bei den Kraftwerken, des excessive Stromverbrauch der
Amerikaner. Es scheint, als würden sich die Europäer angesichts ihres gut
verknüpften Verbundnetzes und ihrer AKW-gestützten Überkapazitäten zurück lehnen
und meinen: 'Uns kann soetwas nicht passieren!'
Sicher, Katastrophen sind nie identisch, Geschichte wiederholt
sich nicht eins zu eins. Doch dass auch komplex verknüpfte Netze anfällig sind,
grundsätzlich immer, aber insbesondere auch für Sabotageakte,
zeigt uns das Internet mit seinen Viren- und Würmer-Attacken fast täglich. Und
auch unser Stromnetz hat eine Vielzahl von Schwachstellen, die bei koordinierten
Sabotageakten eine Kettenreaktion auslösen könnten. Wer die Gefahr solcher
Sabotageszenarien a priori bestreitet, möge sich doch den 11. September 2001 ins
Gedächtnis rufen.
Neu sind solche Sabotagetaktiken im übrigen nicht: 1944 plante die Wehrmacht
unter dem Tarnnamen 'Unternehmen Eisenhammer' die russischen Gross-(Wasser-)Kraftwerke
mit einer Aktion zu vernichten und so die sowjetische Rüstungsproduktion auf 30
Prozent zu drosseln. Nur die mangelnde Reichweite der Bomber verhinderte diesen
Plan.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass wir mit unseren modernen Gesellschaften wie
ein Süchtiger an der Droge 'Elektrizität' und ihren entsprechenden Netzen hängen.
Wer als Privatmann diese Abhängigkeit reduzieren kann, sollte dies tun. Der
jüngste grosse Blackout ist bestimmt nicht der letzte gewesen.
Götz Warnke
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Holz vor der Hütte?
Hamburg, 24.06.2003:
Holz ist in aller Öfen - der Naturbrennstoff erlebt zur Zeit eine beispiellose
Renaissance. Schien nach dem Aufkommen der Steinkohle vor 200 Jahren das Holz
zu einer brennstofflichen Nischen-Existenz zwischen pubertierendem Lagerfeuer-Leben
und erotischen Kamin-Abenden verdammt, so schickt sich dieses Allerweltsprodukt
heute an, die hoch-subventionierten Briketts endgültig aus den letzten Häusern
zu vertreiben und auch den fernen Erdöl-Scheichs keine Chance mehr in den deutschen
'vier Wänden' zu lassen.
Holz hat viele Vorteile: es ist ein CO2-neutraler Brennstoff, er braucht keine
langen Transportwege zum Verbraucher, und er ist billig. Dazu kommen die modernen
Heizungs-Verfahren wie z.B. die Anlagen für Pellets (kleine, aus Spänen gepresste
Holzstücke), welche - mit Hilfe von Förderschnecken etc. - einen Bedienkomfort
wie bei heutigen Ölheizungen erlauben. Alles Vorteile, die die
Freunde dieses Bio-Brennstoffes von einer glänzenden Zukunft träumen lassen.
Doch mit dem Glanz könnte es schon bald vorbei sein. Denn Holz ist wie alle
Biostoffe nur in einem begrenzten Umfang vorhanden. Schon zeigen sich bei der
grosstechnischen Holzverbrennung die ersten Engpässe: so wird von zwei bis drei
geplanten Holzkraftwerken in Hamburg und Umgebung nur eines auf Dauer genügend
Brennmaterial zur Verfügung haben. Mehr gibt die Grossregion an alten Bahnschwellen
etc. nicht her.
Nun bedeutet das sicher nicht, dass dem Hausbesitzer mit Holzheizung demnächst
ein akuter Brennstoff-Mangel droht. Doch die steigende Nachfrage kann schnell
zu steigenden Preisen führen [von den CO2-intensiven Holzimporten wollen wir
gar nicht reden]. Da mag sich dann die Holz-Sparheizung schnell zur Euro-Ebbe
im Portemonaie wandeln. Dies gilt insbesondere für Heizungen, die nur spezielle,
veredelte Holzenergie in Form von Pellets etc. verwenden können.
Wer also eine schicke Pellet-Heizung in seinem Haus installiert, sollte
unbedingt darauf achten, dass seine Anlage problemlos auch Holz-Scheite und
Bruch-Holz verwenden kann. Damit lässt sich die Abhängigkeit von den Herstellern
spezieller und veredelter Holzbrennstoffe senken. Denn mancher Grundstücks-Nachbar
ist froh, wenn ihm jemand seine im Sturm umgefallene Birke, Pappel etc. abnimmt.
Wer allerdings selbst genug Holz vor der 'Hütte' hat, braucht sich auch künftig
um seine Brennstoff-Versorgung gar keine Gedanken zu machen.
Götz Warnke
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Gross, grösser, .... wohin?
Hamburg, 27.02.2003:
'Small is beautiful' war das Motto der Verfechter regenerativer Energien in
den 1980er Jahren. Regenerative Energie sollte nicht nur umweltfreundlich sein,
sondern auch die ökonomische, politische und technische Unabhängigkeit der Bürger
von Unternehmen und Institutionen fördern. Aus dieser Sicht waren Atomkraftwerke
nicht nur wegen ihrer Strahlung problematisch, sondern auch weil mit ihrer
zentralistischen Energieerzeugung zugleich Abhängigkeits-Strukturen auf den
verschiedensten Gebieten erzeugten.
Und heute? Auch bei den alternativen Energien hat sich eine Art regenerativer
Gigantomanie breit gemacht: Offshore-Windparks im vierstelligen Megawatt-Bereich,
riesige Solarkollektor-Felder,
Aufwind-Solartürme
mit mehreren hundert Metern Höhe oder Europas grösstes
Pumpspeicher-Kraftwerk
im thüringischen Goldisthal.
Auch hier entstehen vielfältige Abhängigkeiten:
so nimmt beispielsweise das Pumpspeicher-Kraftwerk die überschüssige Windenergie
der Rotoren-Parks in besonders windreichen Zeiten auf, so dass die konventionellen
Kraftwerke nicht abrupt gedrosselt werden müssen.
Und auch bei diesen regenerativen Gigantomanien bleibt die ökonomische
Abhängigkeit der Verbraucher von den Energie-Lieferanten erhalten: von selbst
erzeugter Energie ist kaum noch die Rede.
Vielleicht haben wir uns in Deutschland zu sehr daran gewöhnt, Energie immer
geliefert zu bekommen, statt sie selbst herzustellen. Vielleicht sind wir Deutsche
auch in diesem Fall einfach zu obrigkeitshörig. In den ob ihrer Umweltpolitik
viel gescholtenen USA gibt es jedenfalls eine aktive und breite Homepower-Szene.
Dort wird in einer ungeheuren Vielfalt entwickelt, experimentiert und gebaut -
bei uns würde Ähnliches sogleich Bauämter, Stadtbildschützer und all die anderen
kleinen 'Hofräte' und Bedenkenträger auf den Plan rufen. Dennoch bleibt die
Hoffnung, dass die alten Ansätze einer alternativen Energieerzeugung nicht ganz
in Vergessenheit geraten und etwas von der US-Dynamik zu uns herüber schwappt.
Die heute in der Energie-Branche weit verbreitet Haltung 'Umwelt gut, alles gut'
ist jedenfalls nur die Fortsetzung der alten 'Der-Schornstein-muss-rauchen'-Ideologie
in neuem Gewande.
Götz Warnke
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Wahnsinn Weihnachtsmann
Auf niemanden ist Verlass, nicht einmal auf den Weihnachtsmann. Denn
eigentlich ist er ein Naturzerstörer und müsste von allen Naturschützern
bekämpft werden
Hamburg, den 25.12.2002
Umweltfreundliche Techniken geraten immer stärker ins Visier mancher
Naturschützer: Windkraftanlagen verschandeln angeblich das 'Landschaftsbild'
und stören den Vogelzug, Kleinwasserkraftwerke greifen ins vorgebliche 'Gleichgewicht'
unserer 'naturnahen' Gewässer ein, und auch artgerechte Nutztierhaltung wird als
Verstoss gegen 'Tierrechte' propagiert. Also zurück zum harmonischen Zusammenleben
mit der Natur wie in früheren Jahrhunderten?
Nichts da - früher wurden die Flüsse von Papiermühlen und Seifensiedereien verdreckt,
die gute Waldluft von Holzköhlern und kleinen Eisenhütte verpestet. Nicht einmal
der gute alte Weihnachtsmann hätte Gnade vor den Augen heutiger Naturmoralisten
und 'Tiefenökologen' gefunden:
- Die Weihnachtsmann-Kleidung mit rotem Purpurstoff kostet Purpurschnecken das Leben.
- Der schwere Schlitten verdichtet den Boden.
- Das Renntier wird ausgenutzt (Verstoss gegen Tierrechte).
- Das Renntier emittiert wegen der schweren Schlitten-Last grosse Mengen an Kohlendioxid.
- Das rasende Geschenke-Verteilen fördert den Konsum und den weltumfassenden
Verkehr.
- Das Klingeln der Schellen stört die Nachtruhe anderer Tiere.
Wenn nun selbst der Weihnachtsmann so politisch unkorrekt ist, wäre es dann
nicht Zeit für Weihnachtsfrust statt Weihnachstfreude, für Weihnachstrauern
statt Weihnachtsfeiern?
Liebe Leser, lassen Sie sich das Fest nicht vermiesen - Pessimismus bringt
niemanden weiter. Geniessen Sie die Feiertage und freuen sich darauf, was Sie
alles im Neuen Jahr besser machen können. Lächeln Sie über unsinnige Geschenke
wie elektrische Kaffee-Mühlen u.ä., und überlegen Sie sich ganz entspannt,
gegen welche schönen Dinge sich die Fehl-Geschenke nach den Festtagen
eintauschen lassen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen frohe Festtage und ein gutes Jahr 2003.
Götz Warnke
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Wimpern mit Stäbchen
Hamburg, den 08.11.2002: Die Welt der Frauen ist, zumindest wenn es sich um Schönheitspflege handelt,
für die meisten Männer ein unbekanntes Land. Und gerade deshalb trifft Mann dort
immer wieder auf technische Überraschungen ...
War es mangelndes männliches Einfühlungsvermögen? Oder ist es einfach der
heutigen Informationsflut geschuldet?
Jedenfalls hätte ich beinahe diese kleine Preziose elektrotechnischen Schaffens
übersehen: den Wimpern-Styler, einen elektrisch betriebenen Lockenstab.
17,50 Euro, wie uns der Prospekt belehrt.
Wofür das Ding gut sein soll, können sich nur Männer fragen, die für solche
Erektions-Hilfsmittel im Bereich der oberen Gesichtsregion keine Verwendung haben.
Aber auch Frauen scheinen das Gerät nicht allzu häufig zu benutzen. Beim
Hantieren damit habe ich noch keine gesehen, und einige müssten nach Gebrauch doch
mit Wimpern wie Widderhörner herum laufen. Oder sind das die Damen, welche
Termine kurzfristig wegen Migräne absagen? Oder macht etwa die Batterie zu
schnell schlapp und verhindert so Schönheits-Katastrophen? Die Welt der Frauen
bleibt mir manchmal schleierhaft - eben typisch Mann.
Götz Warnke
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Alles Elektronik?
Hamburg, den 27.10.2002
In diesen Tagen wird mal wieder ein 'alter Bekannter' durch's mediale Dorf
getrieben: 'das vernetzte Haus', neudeutsch 'Digital Home' genannt.
Nun gut, die gerade im Konsumgüter-Bereich Not leidende Elektronik-Industrie
will unbedingt ihre Produkte absetzen - seien sie sinnvoll oder nicht.
In diesem Medienrummel geht fast eine kleine Meldung unter: seit vier Wochen
bringt die Mikrofon-Anlage im niedersächsischen Landtag nur ein Krächzen hervor.
Der Grund: für die 40 Jahre alte Anlage fehlen die Ersatzteile. Da fühlt man
sich an den Hilferuf der NASA
vom Frühjahr diesen Jahres erinnert: die US-Weltraumbehörde sucht über das
Internet dringend grosse Mengen Intel-8086-Chips für ihre seit 1981 in Dienst gestellten
Space-Shuttles. Diese Chips werden nicht mehr produziert, aber die Shuttles sind
darauf angewiesen. Ähnliches gilt auch für andere ältere Chips, ohne die wertvolle
Raumfahrt-Technik nicht funktioniert.
Abgesehen davon, dass einige Techniker behaupten, Chips liessen sich nicht einmal
in verschweisster Folie über Jahrzehnte lagern; sie würden korodieren, wenn sie
nicht an eine Spannungsquelle angeschlossen seien: jedem 'Verbraucher' sollte
klar sein, dass elektronische Geräte nicht unbedingt auf Langlebigkeit und
Zukunftssicherheit ausgelegt sind. Wer solches ignoriert, muss sich nicht
wundern, wenn ihm in ein paar Jahren ein defekter Computer die Kühlschranktür
blockiert.
Götz Warnke
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