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Buecher

Die hier vorgestellten und besprochenen Buecher sind nicht ausschliesslich Neuerscheinungen. Die Auswahl richtet sich mehr nach Bedeutung und Qualitaet der Werke als nach ihrer Aktualitaet. Seien Sie also bitte nicht enttaeuscht, wenn Sie auf Nachfrage bei Ihrem Buchhaendler in Einzelfaellen ein 'ausverkauft' als Antwort bekommen.


Girardet, Herbert (Hrsg.): Zukunft ist möglich. Wege aus dem Klima-Chaos, Hamburg (Europäische Verlagsanstalt) 2007, 360 Seiten
Der Titel des Buches positioniert es zwischen optimistisch-strahlenden Zukunftsphantasien einerseits und Weltuntergangsängsten andererseits: die Zukunft der Menschheit ist nicht gesichert, aber sie ist - noch - möglich. Und gemäss dem Motto des Werkes versuchen die Beiträge der verschiedenen Autoren, nicht nur die Problematik des derzeitigen Umgangs der Menschen mit ihrem Planeten aufzuzeigen, sondern auch zukunftsweisende Lösungsansätze zu formulieren. Dies ist auch insofern nicht überraschend, als dass hinter diesem Werk der Weltzukunftsrat/World Future Council steht, eine auf Initiative des Stifters des 'Alternativen Nobelpreises', Jakob von Uexküll, zurück gehende weltweite Organisation, die 2007 in Hamburg institutionalisiert wurde. Der Weltzukunftsrat versteht sich als Lobbyist künftiger Generationen und versucht, die politischen Kräfte zur Erhaltung der Lebensgrundlagen unserers Planeten zu bündeln.
Das Vorwort von Jakob von Uexküll verweist auf Entstehung, Struktur und künftige Aufgaben des Weltklimarates.
Es folgt die Einleitung 'Zukunft - welche Zukunft?' von Herbert Girardet, in der der Programmdirektor des Weltzukunftsrates nochmals zu dessen Aufgaben und 'Traditionslinien' (Rachel Carson, E.F. Schumacher) Stellung nimmt sowie die Autoren des Buches mit ihren jeweiligen Anliegen vorstellt.
Ross Gelbspans 'Klima-Chaos' ist sehr mit Blick auf die Situation in den USA geschrieben. Gelbspan kritisiert die amerikanische Tatenlosigkeit angesichts des Klimawandel und gibt auch dem US-Journalismus mit seiner sachlich-strikten Neutralität eine Mitschuld am unterentwickelten US-Umweltbewusstsein. Als Lösungen des Klima-Chaos nennt er das Beenden der Subventionen für fossile Energieträger in den Industriestaaten, einen internationalen Technologie-Transfer-Fond, gespeist aus der Tobin-Steuer, die Einführung eines verbindlichen Effiziens-Standards für fossile Brennstoffe.
Hermann Scheers Beitrag 'Erneuerbare Energie ist die Zukunft' skizziert kurz den heutigen Stand der Energietechnik, um sich dann den Alternativen zum fossilen Energiezeitalter zuzuwenden. Scheer, Vorsitzender des Vereins 'Eurosolar', verweist darauf, dass sich keine Alternative schneller und leichter einführen lässt als die erneuerbaren Energien. Als positiven Ansatz verweist er auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kritisiert den Weltenergierat und die Pseudo-Lösung Atomkraft, fordert die Einrichtung einer Internationalen Behörde für Erneuerbare Energie und zeigt auf, nach welchen Grundsätzen die Erneuerbaren Energien zu einer realistischen und eschwinglichen Alternative werden können. Die Stärke Scheers ist, dass er beim Thema Energie nicht - wie leider oft üblich - die gesellschaftliche Dimension aus den Augen verliert, wenn er z.B. schreibt: 'Ich vertrete die Ansicht, dass jede Sozialordnung an die besonderen Energiequellen gebunden ist, die sie benutzt.' (S. 80), oder: 'Alle Nationen haben das Recht auf Selbstbestimmung - was Energieunabhängigkeit erfordert.' Die Schwäche des ansonsten guten Beitrags sind die bisweilen wiedersprüchliche Zahlenangaben, z.B.: 'Die nutzbaren Uranreserven werden innerhalb von 50 Jahren erschöpft sein', (S. 85), 'Annahmen zur Verfügbarkeit von Uranreserven, die auf höchstens sechzig Jahre geschätzt wird, ...' (S. 86).
Edward Goldsmith schreibt über 'Landwirtschaft im Zeitalter des Klimawandels'. Goldsmith, Gründer des Magazins 'The Ecologist', führt aus, dass der Klimawandel schon heute in der Landwirtschaft zu spüren sei (Dürre), z.B. in Süditalien oder -spanien. Grund sind u.a. die Stickstoffoxid- und Methan-Emissionen der Landwirtschaft, die besonders durch die Zunahme des Viehbestandes, die Düngung der Weiden und die Ausweitung von Reisfeldern weiter zunehmen. Dazu kommt die Energie-Intensität der industriellen Landwirtschaft, die für die Erzeugung einer Tonne Getreide sechs- bis zehnmal mehr Energie verbraucht, als eine nachhaltige/traditionelle Landwirtschaft. Dennoch werden weltweit die traditionell wirtschaftenden Kleinbauern mit ihrer Subsistenzwirtschaft zu Gunsten des Anbaus von Marktfrüchten zurück gedrängt. Lösungen der Landwirtschaftsprobleme sieht Goldsmith im Schutz des Ackerbodens, in der Reduzierung der Bewässerungslandwirtschaft, in lokalen Lebensmitteln und einer 'Lebensmittel-Autarkie' von Staaten, in der Förderung kleiner Bauernhöfe, die traditionell besonders effektiv und sorgfältig mit ihrem Land umgehen, in der Sortenvielfalt der Nutzpflanzen und in der Beseitigung des Kunstdüngers. In dem Beitrag finden sich eine Fülle von interessanten Fakten, etwa wenn Goldsmith ausführt, dass Großbritannien im Zweiten Weltkrieg 40 Prozent seiner Lebensmittel auf nur 300.000 Morgen (entspricht der Fläche Hamburgs) in Gemüse- und Schrebergärten erzeugt hat. Goldsmith Beitrag ist für einen Kritiker der ärgerlichste im ganzen Buch: es gibt schlicht und ergreifend nichts ernsthaft zu kritisieren! Der Beitrag ist klar gegliedert und verständlich geschrieben; er besticht durch Faktenfülle, ohne überfrachtet zu sein. Dass der Autor dieser Zeilen sich noch eine Stellungnahme zur 'Permakultur' gewünscht hätte, zumal Mollison und Lundgren dafür den Alternativen Nobelpreis erhalten haben, bleibt eine Geschmacksfrage. Insgesamt: der beste Beitrag des Buches.
Peter Bunyards 'Das Klima und der Amazonas' verweist auf die Bedeutung des Amazonas-Einzugsgebietes für das Weltklima. Beginnend bei Größenangaben zur Region und ihrer Artenvielfalt, zeigt Bunyard die negativen Veränderungen der letzten Jahre durch Rodungen für Holzgewinnung, Siedlungsraum, Weideland und Pflanzenbau (Soja). Anschließend wird der Amazonas als Klimasystem mit seinen Fernwirkungen bis nach Europa gezeigt und es werden verschiedene klimatologische Interdependenzen vorgestellt. Stärke des Beitrags ist, dass hier der Amazonas in seiner klimatischen und nicht nur, wie häufig üblich, in seiner artenschützerischen Bedeutung ausführlich in den Blick genommen wird. Der Schwachpunkt ist, dass Bunyard das sich wichtige Thema Agro-Energie ('Bioenergie') vernachlässigt, obgleich gerade Brasilien grosse, wertvolle Acker-Flächen mit Zuckerrohr zur Erzeugung von Ethanol-Kraftstoff für PKWs bebaut, und die entsprechenden Probleme seit Jahrzehnten deutlich sind. (Der Autor dieser Zeilen hat bereits vor rund 30 Jahren einen Artikel hierzu verfasst.)
Herbert Girardets 'Die Schaffung lebenswerter und nachhaltiger Städte' ist ein klar gegliederter Beitrag,der sich dem Thema unter vier Fragestellungen nähert: 1. 'Wo stehen wir?': Girardet beschreibt das Wachstum der Millionenstädte in den letzten zwei Jahrhunderten, verweist darauf, dass dennoch zwei Drittel der Stadtbewohner in Städten unter 500.000 Einwohnern leben, und schildert die Konsequenzen der Urbanisierung (Energieverbrauch, Umweltverschmutzung, Zersiedelung). 2. 'Wohin gehen wir?' beschäftigt sich mit der künftigen Entwicklung zu Megastädten und dem zunehmenden 'urbanen Fussabdruck' im Sinne eines Ressourcenverbrauchs. 3. 'Wo wollen wir hin?' fordert ein Umdenken im Sinne einer 'Öko-Polis', die auf Solarenergie, Rohstoffkreisläufe, innerstädtische Landwirtschaft etc. setzt. 4. 'Wie kommen wir von hier nach dort?' stellt erste Ansätze und als besonderes Beispiel die Planungen zur chinesischen Öko-Stadt Dongtan vor, in der viele zukunftsweisende Ansätze aufgenommen sind. Der verständlich geschriebene und gut gegliederte Beitrag überzeugt durch das konkrete Aufzeigen von Lösungen für die Probleme des für unsere Zukunft zentralen Bereichs ökologische Urbanistion. Gern hätte man allerdings noch einiges mehr zu historischen Lösungsversuchen wie den Gartenstadt-Konzepten oder Siedlungshäusern gelesen.
Michael Braungarts 'Die nächste Industrielle Revolution – Cradle to Cradle' beschreibt, wie mit Hilfe biologischer und technischer Kreisläufe z.B. aus Abfällen wieder neue Produkte hergestellt werden, ohne dass es zu einem 'Downcycling' kommt. Die Stärke von Braungarts Beitrag ist, dass er auf zwei Beispiele verweisen kann, in denen er sein Konzept erfolgreich umgesetzt hat. Seine Schwäche ist, dass er neben einigen begrifflichen Unklarheiten - soll es um 'soziale Gleichheit' (S. 235) oder um 'soziale Gerechtigkeit' (S. 239) gehen? - sein Konzept z.T. ideologisch überfrachtet, wenn er z.B. schreibt: 'Nachhaltigkeit, wie sie gemeinhin verstanden wird, ist langweilig' oder 'Somit erzeugt Nachhaltigkeit weder Innovationen noch qualitätsvolles Design; stattdessen schränkt sie die Kreativität ein, weil sie sich ausschließlich auf die Effizienz konzentriert.' Warum Nachhaltigkeit, deren konsequentere Umsetzung in unserer Welt vielen Menschen das Leben bewahren könnte, auch noch ein qualitätsvolles Design erzeugen und spannend sein soll, erklärt Braungart nicht. Und wenn er die DDR als weniger umweltschädlich hinstellt als die Bundesrepublik (S. 223), so ist das nicht mehr nachvollziehbar.
Stewart Wallis beschreibt in 'Eine grundlegend neue Vision für den Welthandel' die derzeitige Situation des Welthandels und seiner Regeln als ein System der ökonomischen Ungleichheit, das Armut erzeugt und aufrecht erhält, sowie negative Umweltfolgen hat und selbst den wohlhabenden Menschen in den Industrienationen kein Wohlbefinden vermittelt. Dagegen stellt er sein 'radikales neues Handelssystem', eine Art nachhaltiger Handel, zu dessen Bausteinen er u.a. zählt: 'Beseitigung ökonomischer Ungerechtigkeiten', 'Vorschriften für Unternehmen', 'Herstellung einer globalen Regulierungsstruktur'. Wallis möchte sich 'auf ein globales System der Besteuerung und Umverteilung zubewegen' (S. 270), Rohstoffmärkte und transnationale Unternehmen regulieren. Der Beitrag von Wallis ist mit Abstand der schwächste in diesem Buch: viele seiner Ideen werden unter dem Motto 'man müsste mal' ohne Rücksicht auf praktische Umsetzungsmöglichkeiten präsentiert; er operiert mit emotionsbehafteten Begriffen ('soziale Gerechtigkeit'), ohne genau zu sagen, was er darunter versteht; letztlich läuft sein Handelssystem auf eine Art globale Zentralverwaltungswirtschaft hinaus, ein System, das schon im Ostblock nicht funktioniert hat.
Frances Moore Lappé 'Was für eine Art von Demokratie?' arbeitet die Unterschiede zwischen einer 'mageren Demokratie'(Thin Democracy) und der 'gelebten Demokratie' (Living Democracy) heraus: in der mageren Demokratie konzentriert sich die Macht bei den Funktionsträgern der Demokratie und bei den grossen (Wirtschafts-) Verbänden bzw. den Lobbyorganisationen. Gelebte Demokratie ist dagegen dynamisch, wertebestimmt, umfassend und partizipativ. Lappé zeigt in diesem umfangreichsten Beitrag des Buches an einer Fülle von Beispielen, wie man im Sinne einer gelebten Demokratie auf herrschende Systeme Druck ausübt, wie man parallele demokratische Systeme aufbaut oder neue demokratische Praktiken in die kommunale Politik einführt. Stärke des Beitrags ist die Vielzahl der Beispiele, seine grösste Schwäche das unvollständige Anmerkungsverzeichnis zum Schluss, das nur bis Nr. 76 geht, während der Text 82 Anmerkungen hat.

Insgesamt ein gutes und wichtiges Buch, das eine Fülle von neuen Erkenntnissen und wichtigen Anstössen bietet. zum Seitenanfang

Geitmann, Sven: Wasserstoffautos. Was uns in Zukunft bewegt. Kremmen (Hydrogeit Verlag) 2006, 168 Seiten
Wer das Buch in die Hand nimmt, ist zuerst einmal überrascht von der ungeheuren Typenvielfalt und den grossen Namen, die sich in diesem Technikbereich drängeln: von BMW bis Volkswagen sind fast alle namhaften Autohersteller vertreten; die Palette der Fahrzeugtypen reicht von futuristischen Entwürfen bis zu serinennahen Konzeptmodellen. Der Autor, ein Diplomingenieur, der sich auf das Thema Wasserstoff spezialisiert hat, hat nicht nur mit Fleiss und Akribie eine Menge technischer Daten und schöner Fotos zusammen getragen, sondern beschreibt auch verständlich die technischen Hintergründe und Firmenkooperationen, die diese Projekte voran treiben. Fazit: Ein informatives, wichtiges Buch für alle, die sich über eine Autoverkehrs-Zukunft jenseits des Erdöls Gedanken machen. zum Seitenanfang

Rühle, Alf-Sibrand: Wasserstoff und Wirtschaft. Investieren in eine saubere Zukunft, hrsg. von Sven Geitmann, Kremmen (Hydrogeit Verlag) 2005, 216 Seiten
Obgleich die meisten Umweltverbände behaupten, dass Umweltschuitz "sich rechnet", gehen Umweltschützer immer davon aus, dass das Umweltengegement etwas mit reinem Idealismus zu tun haben müsse. Nicht so in diesem Buch. Der Autor, ein ausgewiesener Experte für Geldanlagen, zeigt, wie man mit der Wasserstoff-Technik nicht nur Abgas-Emissionen einspart, sondern auch langfristig und umweltfreundlich Geld verdienen kann. Nach einer kurzen Geschichte der Wasserstoffnutzung und einem Blick auf die Eigenschaften dieses Energieträgers folgt ein guter Überblick über die verschiedenen Typen und Funktionsweisen der Brennstoffzelle der Einsatzmöglichkeiten des Wasserstoffs auf den unterschiedlichen Gebieten. Dann wendet sich das Buch den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einer Wasserstoffwirtschaft so wie den Folgen einer Wasserstoffökonomie für die künftigen (Aktien-)Märkte zu. Es werden verschiedene Musterdepots vorgestellt sowie die Profile von rund 30 in diesem Bereich tätigen Firmen. Den Abschluss bilden ein Umfangreiches Quellen- und Informationsverzeichnis, das dem Leser bei zusätzlichem Informationsbedarf weiterhilft, sowie ein ausführliches Glossar, dass die verschiedenen Fachbegriffe erklärt - insgesamt eine sehr fundierte Arbeit.
Das Buch, das Anlage- und Umweltinteresse im Bereich des Wasserstoffes zusammen führt, ist das erste dieser Art und könnte der Entwicklung der Wasserstoff-Wirtschaft mehr nützen als viele, gut gemeinte Appelle von Umweltschützern. Dennoch bleiben einige - wenngleich wenige - Punkte der Kritik: der systematische Aufbau des Buches lässt in einigen Bereichen zu wünschen übrig - so wären Andrees Ballonfahrt (S. 23 f.) und auch die Geschichte des Unternehmens Ballard (S. 60 ff.) an anderer Stelle im Buch besser untergebracht gewesen. Auch sind Booster (S. 79) keine Wasserstoff-, sondern Feststoff-Raketen, ein wirkliches Monopol bei CPUs (S. 119) existiert so nicht. Zudem ist der Wasserstoff-Verbrennungsmotor (S. 90 f.) nicht nur eine Gefahr für die Märkte der Batterie- und Akkuhersteller, sondern auch für die der Brennstoffzellen-Produzenten. Schließlich hätte man sich einen Vergleich der Wasserstoff-Speichermethoden ähnlich dem der Bernnstoffzellen-Typen gewünscht.
Doch diese Kritikpunkte tun dem Wert des Buches keinen Abbruch. Denn vielleicht gelingt es sogar dem einen oder anderen Leser, mit Hilfe der dort enthaltenen Informationen seine Solaranlage zu finanzieren. zum Seitenanfang

Mollison, Bill/David Holmgren: Permakultur - Landwirtschaft und Siedlungen in Harmonie mit der Natur, 2., völlig überarbeitet Auflage, dt. Übersetzung Schaafheim 1984, 166 Seiten
Dem fachlich interessierten und informierten Leser passiert es sehr selten, dass er plötzlich auf ein Buch stösst, dass er eigentlich schon vor Jahrzehnten hätte lesen sollen. Mir ist es mit dem Werk 'Permakultur' von Mollison und Holmgren so ergangen.
Die Permakultur ist eine Idee des Australiers Bill Mollison. Es geht um eine Land- oder Gartenwirtschaft, die mit möglichst wenig Arbeit und ohne grosse laufende Kosten viel Ertrag bringt - und auf Dauer ökologisch existieren kann. Mollison setzt dazu ganz auf den Anbau mehrjähriger Sorten, und das auch bei Brennstoff-, Textil-, Färbe-, Futter-, Arznei- und Giftpflanzen. Einjährige Pflanzen wie Kartoffeln oder Getreide kommen nicht vor. Mollison geht dabei von zwei Grundsätzen aus: Jedes Element oder jeder Teilbereich erfüllt mehrere Funktionen; und jede Funktion wird durch mehrere Elemente oder Teilbereiche abgedeckt. Neben den Grundlagen der Permakultur beschreibt das Buch Planung (Geographie, Klima, Mikroklima, räumliche Gliederung, Wasserversorgung, Böden, Feuerschutz), Systemaufbau (Artenauswahl, Vermehrung, Pflege, Einfriedung, Bodenbearbeitung), Einsatz von Tieren, Einsatz in Städten.
Eine Vielzahl von Tabellen, Zeichnungen und Schaubildern sortiert die Pflanzen nach Funktionen, Licht-, Wärme- und Wasserbedarf, Windempfindlichkeit, Nährwerten und Verarbeitungs-Möglichkeiten. Das Ganze ist für mitteleuropäische Verhältnisse überarbeitet. Interessant sind auch die technischen Beschreibungen und Ideen: ein komplexer Ofen zur Verarbeitung der Produkte, die Ideen, Hühner in Gewächshäusern als 'Heizung' zu verwenden oder die im Wind schwankenden Baumkronen per Seilzug-Konstruktionen als Wasserpumpen-Antrieb ein zu setzten.
Kritikpunkte finden sich bei diesem Buch nur wenige: mal vermisst man in der Auflistung eine Pflanze (z.B. Mirabelle), mal stört das durcheinander geratene Verweissystem (erklärlich durch die Adaption auf mitteleuropäische Verhältnisse). Irritierend sind eher die drei Gedichte Mollisons auf S. 6: hier drückt sich ein demonstratives ganzheitliches Gutmenschentum (Motto: seht her, wir sind die Guten, Wahren und Schönen) aus, welches Mollison nicht nötig hätte - die hohe Qualität seiner Arbeit spricht für sich selbst. Ebenfalls irritierend - weil irreführend - ist der Buchtitel-Teil 'in Harmonie mit der Natur'. Denn die Mollisonsche Permakultur ist eine ausgeklügelte, optimierte, künstlich geschaffene Nutzpflanzen-Ökologie, in der für die 'Natur' im naturschützerischen Sinn kein Platz ist. Vielleicht hat dieser irreführende Titel dazu beigetragen, dass ich das Buch - leider - so spät entdeckt habe. zum Seitenanfang

Mähr, Christian: Vergessene Erfindungen - Warum fährt die Natronlok nicht mehr? DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2002, 180 Seiten
'Es gab da einen Dachboden der Technikgeschichte, wo sich vergessene Erfindungen stapelten. Da gab es, wie auf einem realen Speicher, allerhand Gerümpel. Da gab es aber auch Sachen, die man hätte brauchen önnen, brauchen kann oder in naher Zukunft brauchen können wird: Erfindungen, die hierher verbannt wurden, weil eine Rahmenbedingung nicht mehr passte. Diese Rahmenbedingung, meist eine ökonomische, hat sich dann geändert, andere Bedingungen wurden massgebend - aber die Erfindung war auf dem Dachboden, verstaubt und vergessen', schreibt Christian Mähr in seinem Vorwort.
Gegen dieses Vergessen hat der Autor neun alte Erfindungen 'entstaubt': den Flettner-Rotor (Schiffsantrieb), die Natronlok, den Semaphor (optischer Telegraph), den Hydraulischen Widder (Wasserpumpe), den Holzvergaser, den Seebeck-Generator (Thermo-Elektrizität), die Kunstsprachen, den Absorber-Kühlschrank und Wärme-Transformator sowie das Ionentriebwerk. Mähr bespricht alle Erfindungen sehr interessiert und liebevoll, weist aber auch deutlich auf ihre Stärken und Schwächen hin. Er zeigt die Geschichte ihres Verschwindens aus dem öffentlichen Bewusstsein auf und insbesondere auch, wie manche Verfahren heute wieder nutzbar gemacht werden könnten - so z.B. die Technik der Natronlok als solarer Energie-Speicher.
Sicher, das eine oder andere liesse sich in den Kapiteln ergänzen: so liegt beim Hydraulischen Widder keine erfindungslose Zeit zwischen Herons Wasserorgel und der Erfindung des älteren Montgolfier-Bruders, sondern es gab verschiedene Versuche wie 'Siphonmaschine' des Schweden Christopher Polhem zu Beginn des 18. Jahrhunderts oder die Wassersäulenmaschine der französischen Geistlichen Denisart und de la Deuille von 1731. Doch davon unberührt bleibt als Fazit: ein schönes, interessantes, aber auch nachdenkliches und bedenkenswertes Buch. zum Seitenanfang

Lengsfeld, Klaus (Hg.): Halligleben um 1900, Heide (Westholsteinische Verlags-Anstalt Boyens)1998, 160 Seiten
Das reich bebilderte (S-W-Fotos und Zeichnungen)Buch lehnt sich weitgehend an die ethnologischen Forschungen des Kaufmanns Julius Konietzko in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und an den Katalog der Halligsammlung im Nordfriesischen Museum (Nissen-Haus) in Husum an. Es beschreibt anschaulich das Alltagsleben der Bewohner auf den Nordfiesischen Halligen vor der Schleswig-Holsteinischen Küste.
Über den engeren Kreis der Nordsee-Liebhaber hinaus ist das Buch deshalb interesant, weil es zeigt, dass Menschen auch in engen Lebensräumen und mit begrenzten Ressourcen eine vielfältige Kultur hervor bringen können. Meerstrandwegerich als Gemüse, Kuhdung-Briketts (Ditten) als Brennstoff, Zisternen zum Auffangen des Regen- und Schneewassers, aber auch Aalstecher, Muschelforken und Käsepressen zeigen, mit wie viel Kreativität und Erfindungsreichtum die schmalen Ressourcen genutzt wurden. Insgesamt ein sehr schönes und eindrückliches Buch
Noch eine Anmerkung: Wenngleich die gefundenen Lösungen spezifisch für die Umwelt des Wattenmeeres galten, so lässt sich die gleiche Kreativität sicher auch bei Bewohnern anderer beschränkter Lebensräume finden - seien es nun Eskimos oder Südseeinsulaner. zum Seitenanfang

Jones, David E.H.: Zittergas und schräges Wasser - Die phantastischen Erfindungen des modernen Daedalus, 5. Aufl. Frankfurt/Main (Harri Deutsch Verlag) 1990, 360 Seiten
Dieses 1982 in der englischen Originalausgabe erschienene Buch verdient zu Recht das Praedikat 'genial'. Denn die hier gesammelten, urspruenglich in den 1960ern und 1970ern jede Woche im Wissenschaftsmagazin 'New Scientist' erschienenen Daedalus-Entwuerfe sind vorweggenommene, nicht patentierte Erfindungen des David E.H. Jones. Ein Beispiel: Jones propagiert 1964 und 1965 ein Seil, das am Äquator befestigt ist und bis zu einem geostationaeren Satteliten hinaufreicht. Über dieses Seil koennten dann Versorgungskapseln nach oben gezogen werden. Seit der Veroeffentlichung von Jones arbeitet nun die NASA an einem solchen Projekt. Ob Schmelzwasserantriebe für Eisberge, die vibrierende Strassenbahn, Thermogleiter oder globale Fernbeben - zu den Ideen kommen meist umfangreiche Berechnungen, die die Machbarkeit belegen. Viele Ideen sind spaeter von anderen in die Praxis umgesetzt worden.
Das Ganze ist nicht nur interessant, sondern auch mit viel Ironie und einer gehoerigen Portion britischen Humors geschrieben. zum Seitenanfang

Siegfried Richter, Wunderbares Menschenwerk - Aus der Geschichte der mechanischen Automaten, Edition Leipzig 1989, 164 S., 116 z. T. farbige Abbildungen, ISBN 3-361-00220-6, DM 49,-
Dem inzwischen leider verstorbenen Siegfried Richter gebührt das Verdienst, mit diesem Buch ein sowohl informatives als auch durch die reiche Bebilderung äusserlich ansprechendes Werk zu einem schon immer faszinierenden Thema (siehe schon Johann Beckmann, Beiträge zur Geschichte der Erfindungen, 1782 ff., Bd. IV, S. 105-110) vorgelegt zu haben.
Nach einer thematischen Einleitung wird der Leser vom Automatenbau in der Antike über die chinesische und islamische Welt sowie die frühe Neuzeit bis in die Gegenwart geführt. Dabei werden die entsprechenden technischen Details erläutert und die jeweilige Automatenpro- duktion in den kultur-, sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Kontext ihrer Epoche gestellt. Richter widersteht dabei der nahe liegenden Versuchung, eine durchgängige Fortschrittslinie von der Antike bis zu den heutigen Industrierobotern zu ziehen. Vielmehr weist er auch auf Brüche und Diskontinuitäten in der technischen Entwicklung hin.
Dennoch bleiben einige Kritikpunkte: Das gesamte Gebiet der Rechenautomaten - insbesondere der frühen - kommt erheblich zu kurz; die Spielautomaten des 20. Jahrhunderts werden nicht behandelt; als Literaturangaben werden nur die Verfasser, nicht aber die Seitenzahlen genannt; wie bei vielen DDR-Autoren leider immer wieder üblich, werden auch hier die Berufe bei solchen Personen nicht genannt, die zu den "reaktionären Klassen" zählen und sich deshalb nicht reibungslos in die gewünschte Linie des Fortschritts einfügen lassen (so bei den Theologen Athanasius Kircher, Albertus Magnus, Conrad Dasypodis, Caspar Schott u. a.); im Sinne dieser Tendenz wird auch bei der technischen Entwicklung im Mittelalter die Bedeutung der Klöster unterschlagen, obwohl diese z. T. über mehr Handwerker verfuegten, als die hier hervorgehobenen Städte. Trotz dieser Mängel bleibt das Buch lesenswert, zumal es sich auch in seiner Klarheit und übersichtlichen Satzstruktur wohltuend von manchen anderen Werken abhebt. zum Seitenanfang

Günter Bayerl (Hg.), Wind- und Wasserkraft. Die Nutzung regenerierbarer Energiequellen in der Geschichte, Düsseldorf (VDI-Verlag) 1989 (=Technikgeschichte in Einzeldarstellungen), 394 S., zahlreiche Abb., ISBN 3-18-150045-3, DM 68,-
Der Band faßt die Beiträge eines Symposiums zusammen, das am Institut für Sozial- und Wirtschaftgeschichte der Universität Hamburg über die Nutzung regenerierbarer Energiequellen in der Geschichte, insbesondere der Wind- und Wasserkraft, stattfand. Die umfängliche Einleitung des Buches ordnet das Thema im Rahmen der aktuellen Diskussion über alternative bzw. regenerierbare Energiequellen historisch ein und schildert neuere Ansätze der Geschichtssehreibung über Energie-Nutzungssysteme. Die Beiträge selbst sind nach Oberthemen gruppiert: zuerst werden Quellenprobleme behandelt, die sich bei der Erforschung der Nutzung von Wind- und Wasserkraft ergeben sowie auch verschiedene Quellengattungen vorgestellt, die die Rekonstruktion der historischen Energienutzungssysteme ermöglichen. Besonders positiv zu werten ist, dass rechtsgeschichtliche Aspekte der Wind- und Wasserkraftnutzung ebenso behandelt werden wie die Frage der Leistung und der Leistungsgrenzen von Wasserkraftnutzungen. Ein eigener Themenkomplex analysiert die Industrialisierung unter dem Gesichtspunkt, welchen Beitrag die unterschiedlichen Energienutzungssysteme hierzu lieferten. Ein letzter Abschnitt ist der didaktischen Umsetzung der Ergebnisse der Mühlenforschung im Unterricht gewidmet. Dies und eine Vielzahl von Bildern, Skizzen und Tabellen machen das Buch zu einem interessanten, informativen und gut lesbaren Werk über die traditionellen regenerierbaren Energiequellen, ein Vorzug, der bei vielen anderen Symposiumsbänden leider nicht immer gegeben ist. zum Seitenanfang

Gulia, Nurbej Vladimirovic: Der 'Energiekonserve' auf der Spur - oder: Wie faehrt mein Auto ohne Benzin?, Frankfurt/Main (Harri Deutsch Verlag) 1989, 159 Seiten
Das Buch haelt, was der spannende Titel verspricht: es beschäftigt sich anschaulich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Ernergiespeicherung, deren Vor- und Nachteile hier diskutiert werden. Gulia bespricht Speicherungen mit Hilfe von Aufziehfedern und Gummiseilen, ueber komprimierte Luft und isolierte Waerme und schliesslich die verschiedenen Speicher- und Umwandlungsformen elektrischer Energie bis hin zur Supraleitung und Brennstoffzelle. Gegenueber diesen Techniken favorisiert Gulia Schwungraeder als Energiespeicher. Er erwähnt dabei verschiedene historische Projekte, insbesondere auch russische wie den Personenwagen mit Tretantrieb und Schwungradspeicher von I.P. Kubilin im Jahre 1891, die sowjetischen Schwungrad-Lokomotiven und den Schwungradspeicher der Ingenieurs Ufimzew von 1924 für ein Windkraftwerk bei Kursk - technische Leistungen, die im Westen kaum bekannt sind, weil man hier nach alter Tradition immern noch auf 'die Russen' herabsieht. Gulia diskutiert auch verschiedene Schwungrad-Materialien (z.B. Diamantfasern) und die Einsatzmoeglichkeiten "weicher" Schwungraeder.
Die russische Originalausgabe dieses Buches stammt von 1986, eine DDR-Ausgabe von 1988. Es ist wieder einmal das Verdienst des Verlages Harri Deutsch, ein interessantes russisches Buch auch dem Westen zur Kenntnis gebracht zu haben. zum Seitenanfang

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Der ultimative Ratgeber für Haus, Garten und Verkehr, 192 Seiten, Preis: 16,90 EUR,
ISBN: 978-3-938391-01-3
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