Das Badezimmer
Auch vor diesem nassen Ort, kulturgeschichtlich eine der juengsten
Einrichtungen
in den eigenen vier Waenden, macht die Technisierung des Alltags nicht
halt.
Einer der Gruende ist der alltaegliche Kampf der meisten Maenner gegen
einen Teil
ihres Ichs - den Bartwuchs. Den dabei entstehenden Glaubenskriegen
zwischen
Nass- und Trockenrasierern soll hier kein Platz gewidmet werden. Es
geht hier
nur um die Frage, welcher Technik sich beide Parteien bedienen koennen.
Wer als
Trockenrasierer sich nicht an die lange Leine eines Stromkabels legen
lassen will, noch sich gern darueber Gedanken macht, ob die
Akku-Kapazitaet
fuer ein glattes Kinn reicht, der ist mit einem Schwungrad-Rasierer gut
bedient.
Richtig auf Touren gebracht, liefert die innenliegende Metallscheibe
genug
Energie fuer die Scherkoepfe, so dass Mann sich auf seine aeussere
Schoenheit
konzentrieren kann.
Das Aufziehen des Schwungrades ersetzt kein Fitness-Training am Morgen,
aber
es bleibt je nach Typ die Wahl, ob Mann lieber das Geraet mit einer
Reissleine
oder durch das Zusammenpressen der Finger antreibt. Das Rasierergebnis
ist in
beiden Faellen gut.
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Noch
weniger Arbeit macht dieser Solar-Rasierer. In Punkto Bequemlichkeit
und
haelt er mit den Akku-Rasierern problemlos mit. Hoehlenforscher und
Nachtaktive
seinen allerdings gewarnt: wer mit einem glatten Kinn glaenzen will,
braucht
etwas Licht.
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Nicht zu kurz kommen sollen
hier die Nassrasierer: diese Klingen-Schleifmaschine
stammt aus einer Zeit, als diese Edelstahl-Teile noch wertvolle
Praezisions-Produkte und keine billigen Wegwerfartikel waren. Einfach
eine
Klinge einlegen und die beiden Teile zusammenklappen. Die obere
Schlinge des
Bandes (nicht mehr vorhanden)wird um einen Wandhaken gehaengt, den
unteren
Holzgriff haelt man in der Hand. Dann wird der Klingen-Kasten am Band
auf und
nieder bewegt. Das durchlaufende Band treibt in dem Kasten ueber zwei
Exenter-Wellen die Schleifbloecke an. Die bewegen sich hin und her, und
schaerfen die Klinge von allen Seiten, und erlauben eine längere
Nutzungsdauer
des Produkts.
Heute wandern abgenutzte Rasierklingen zumeist in den Mülleimer - für
ein eigenständiges
Recycling lassen die Hersteller den Verbrauchern technisch kaum eine
Chance.
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Weniger
kompliziert, dafuer neueren Datums, ist dieser Klingen-Schaerfer. Die
modernen Scher-Koepfe werden in einer Fuehrung ueber eine
Schleif-Platte
gezogen und lassen sich so laenger benutzen. Offensichtlich versuchen
allerdings
einige Klingen-Hersteller, diese eigenmaechtige Lebens-Verlaengerung
ihrer
Produkte durch den Verbraucher dadurch zu verhindern, dass sie kleine
Kunststoff-Streifen oberhalb der Klinge auf dem Scher-Kopf anbringen.
Offiziell
sollen diese Streifen ja das Gleitvermoegen der Klingen erhoehen ...
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Eigentlich gehört er ja gar
nicht hierher - dieser Nass-Rasierer, mit
einem
aufgerollten Stahlband in einer Wechsel- (oder besser:
Wegwerf-)Kassette als Klinge. Womit also
hat sich dieses wenig geglückte Produkt der 1960er Jahre hier einen
Platz verdient?
Eigentlich nur mit einer Idee, die nahe liegt, aber vom Hersteller
nicht gesehen
oder zumindest verwirklicht wurde: wenn man das lange Stahlband, das je
nach
Abnutzung immer ein Stück weiter gedreht werden muss, in der Kassette
an
ähnlichen Klingen-Schleifern bzw. -Schärfern wie den obigen vorbei
laufen liesse,
könnte man das Band hunderte Male vor und zurück spulen - vielleicht
ein ganzes
Nassrasierer-Leben lang. Hmmm ... sollte vielleicht das der Grund sein,
warum der
Hersteller die Idee nicht umgesetzt hat?
Dieses
klassische Haarscher-Geraet stammt noch aus der mechanischem Epoche der
Friseur-Salons, als noch keine Elektro-Scherer dem Kunden den Eindruck
vermittelten, neben dem Friseur auch noch eine Hornisse im Nacken zu
haben.
Technisch gesehen ist dieses Geraet eine Art Schere mit mehreren
Schneiden,
die alle zugleich durch die zwei Hebel bedient werden.
Das Geraet funktioniert - unabhaengig davon, ob die Haare nass oder
trocken
sind oder ob ein Stromanschluss in der Naehe ist.
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Eine
moderne, mechanische Ausfuehrung eines Schergeraetes ist dieses
multifunktionale Produkt: auf der einen Seite ein ausklappbarer
(Nass-)Rasierer,
auf der anderen Seite ein Haar-Scherer, bei dem die Klinge in
verschiedenen
Stufen ein- und ausgefahren werden kann. Der Apparat wird wie ein Kamm
durch
das Haar gezogen. Die Klinge, die in der Basis der Kamm-Zaehne halb
versenkt
ist, wirkt wie ein scharfes Messer (nicht wie eine Schere).
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Wer so
viele Haare schneidet, muss sie auch mal waschen - und anschliessend
trocknen. Auf einen Foehn koennen Sie dabei verzichten, seit es den
Drykamm
gibt: die chemische Struktur dieser Kaemme und Buersten zieht beim
Durchkaemmen
der nassen Haare die Feuchtigkeit heraus und bindet sie. Das Ganze
geschieht
fuer die Haare viel schonender als mit der Heissluft des Foehns. Je
nach
Zusammensetzung des Materials laesst man die Kaemme und Buersten
anschliessend
austrocknen oder wringt sie aus.
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Und da wir
gerade beim Druecken sind - hier zwei kleine, pfiffige Pressen, die
beim Geldsparen helfen. Ob Zahn-, Rasier oder Kosmetik-Creme: jeder von
uns hat
sich schon ueber das nervige Ausdruecken der entsprechenden Tuben
geaergert.
Und jedesmal fliegen einige Dutzend Gramm mit der ausgequetschten Tube
in den
Muelleimer - zur Freude der Produzenten. Mag das bei der normalen
Zahncreme
nicht so teuer sein wie bei den exklusiven Kosmetika; ueber die Jahre
summiert
sich auch das. Gegen Aerger und finanzielle Verluste hilft die
Tubenpresse.
Sie wirkt wie eine Sardinenkonserve mit Aufrolldeckel; die Tube wird
dabei
zwischen den Pressklammern hindurch nach unten gezogen und mit jeder
Drehung
am Schluessel ein wenig mehr aufgerollt und ausgepresst.
Pfiffig auch die Seifenpresse: hiermit lassen sich Seifenstueckchen,
die sonst
aus jeder Hand rutschen, zusammenpressen und als grosses Stueck wieder
verwenden.
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Die
Stahlseife besteht meist aus glattpoliertem Chirurgenstahl (Edelstahl).
Sie dient nicht zum Reinigen der Haende, sondern wirkt gegen
unangenehme
Gerueche wie Zwiebel-, Knoblauch- oder Fisch-'Duefte', und das sehr
einfach:
es reicht meist, die Haende nur 20-30 Sekunden im Wasser daran zu
reiben.
Die Wirkung beruht auf einer physikalischen Reaktion; daher verbraucht
sich die
Edelstahlseife nicht, es entstehen keine chemischen Abfallstoffe, und
man
spart Chemie sowie zusaetzliche Parfums, um die Gerueche zu
neutralisieren.
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Auch
inzwischen eine Seltenheit: ein klassischer Parfum-Flacon mit
abschraubbarer Pumpe. Heute ist ein Abschrauben vielfach nicht mehr
moeglich,
und die Reste der teuren Parfums bleiben unerreichbar in den Flacons
zurueck:
eins zu null fuer die Marketing-Strategen der Parfum-Industrie.
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Personen-Waagen
gibt es in unterschiedlichen Groessen und Ausfuehrungen. Sie
werden spaetestens hervorgeholt, wenn wir uns am Morgen nach einer
ueppigen
Dinner-Party ueber die zusaetzlichen Pfunde als Folge der Foellerei
informieren
wollen. Aergerlich, wenn ausgerechnet dann die Batterie ihren Geist
aufgegeben
hat, oder die Elektronik spinnt. Aber zum Glueck sind die meisten
Personen-Waagen im Haushalt immer noch rein mechanisch. Diese Waage ist
allerdings ein pfiffiges elektronisches Exemplar, das seinen Strom
mittels
Piezo-Elektrik selbst erzeugt: beim Betreten der Waage uebt der Nutzer
Druck
auf ein piezoelektrisches Element aus, das daraufhin den Strom fuer die
Anzeige
erzeugt.
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Eine Personen-Waage fuer
besonders empfindliche und wertvolle 'Gueter'
ist diese
Baby-Waage, deren Wannenform das Herausfallen des Kindes verhindern
soll. Technisch
gesehen ist es eine Balkenwaage. Sie muss einerseits sehr robust sein,
andererseits
aber auch hinreichend empfindlich, um kleinere Gewichtsveränderungen
des Babys wahr
nehmen zu können. Diese mechanische Praezisions-Waage erfüllt die
Voraussetzungen.
Da mögen einige elektronische Waagen vielleicht noch ein wenig genauer
sein - doch
was nützt das bei Babys, die mal mit mehr und mal mit weniger vollem
Magen zum
Wiegen kommen?
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Druecken
muss man hier auch, aber bitte nicht zu doll: dies ist ein Messgeraet,
welches die Durchblutung testet und dem Benutzer zeigt, ob er z.B. bald
kalte
Fuesse bekommt. Die Anzeige geschieht ueber die Verfaerbung einer
Chemikalie,
die auf dem Beruehrungsfeld angebracht ist. Und druecken muss man hier
nur,
damit sich keine Luft zwischen dem Finger und der Messflaeche befindet
(Luft
ist ein schlechter Waermeleiter und wuerde das Ergebnis verfaelschen).
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Viele
Menschen muessen aus gesundheitlichen Gruenden taeglich zu Spritzen
greifen. Heute sind das zumeist Einmal-Spritzen, also reine
Wegwerfprodukte.
Dies ist dagegen eine klassische Medizinal-Spritze aus Edelstahl mit
Glaskolben
und Fingergriffen, die das Abrutschen und Herunterfallen der teuren
Stueckes
verhindern sollen.
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Zu Zeiten, als Apotheker noch
mehr waren als weissbekittelte Verkäufer
der
Pharma-Industrie, gehörte er zur Grund-Ausstattung einer jeden
Apotheke: der
Pulver-Portionierer. Der Apotheker füllte in den oberen Trichter das
Medizinal-Pulver ein, das er nach dem Rezept des Arztes zusammen
gemischt hatte
Dann stellte er die Pulver-Menge pro Einzelportion (z.B. Tagesration)
am Gerät ein und hielt eine
kleine, weisse Papier-Tüte unter Ausfüll-Stutzen. Jetzt nur noch am
Abzug ziehen, und schon
ist die gewünschte Menge in der Tüte. Die Tüten zwei, drei, usw. folgen
-
einfach, billig, umweltfreundlich.
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Ebenfalls
kaum noch zu finden sind diese klassischen Medizinal-Flaeschchen
aus getoentem Glas. Noch in den 1960er Jahren mischte der Apotheker
nach
Rezept die entsprechende Fluessig-Medizin, und fuellte sie in solche
Flaeschchen
ab, die dann mit einem Klebe-Etiquett versehen wurden. Mittels der
Pump-Pipette
konnte sich der Patient dann die verordnete Menge in Augen, Nase oder
Ohren
traeufeln. Die Flaschen liessen sich sterilisieren und waren
wiederverwendbar;
der Inhalt war durch die Toenung des Glases vor Sonneneinstrahlung
geschuetzt
und dennoch liess sich die noch vorhandene Restmenge auf einen Blick
erkennen -
heute gibt es fast nur noch undurchsichtiges Wegwerf-Plastik.
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Die Milchpumpe ist eine
(Mehrfach-)Erfindung des 18. Jahrhunderts; sie
wird u.a.
im September 1785 von G. Bianchi im 'Journal de physique' beschrieben.
Mit ihrer
Hilfe können stillende Frauen ihre Babys auch dann mit Muttermilch
versorgen,
wenn sie gerade keine Zeit haben, ihren Nachwuchs an die Brust zu
legen. Durch
das Pumpen wird ein Unterdruck erzeugt, der die Milch aus dem Busen
herausströmen
lässt. Eine ebenso einfache wie sinnvolle Erfindung. Das Bemerkenswerte
hieran ist,
dass man dieses 'mechanische Melken' m. W. nie auf das Melken von Kühen
übertragen
hat. Noch Anfang der 1950er Jahre ergab eine Umfrage bei den
Absolventen der
Landwirtschaftsschule Meldorf/Schleswig-Holstein, dass die überwiegende
Mehrheit
es für ausgeschlossen hielt, dass die Melker jemals durch technische
Geräte
ersetzt werden könnten. Heute ist der Beruf des Melkers ausgestorben,
aber
dieses Beispiel zeigt einmal mehr, wie längst vorhandene Techniken
dennoch nicht
von einem Bereich in einen anderen übertragen werden.
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